RIEEZ – Regionale Initiative zur Entwicklung empathischen Zubehörs – Berichte in der Gemeindezeitung

Die regionale Initiative zur Entwicklung empathischen Zubehörs (kurz RIEEZ) hat in der Wolford-Halle (Franz-Seiner-Gasse 2, 8330 Feldbach) ihre Arbeit aufgenommen. Gemeinsam mit ExpertenInnen des Alltags aus der Region zeigt das Künstlerduo hoelb/hoeb Ausdrucks- und Darstellungsformen von Empathie, Solidarität und Trauer.

Bericht Juni 2019:

Das Projekt RIEEZ – Regionale Initiative zur Entwicklung emphatischen Zubehörs ging letzte Woche in die Endphase und zeigte eine Lecture-Performance zum Thema „demenzielle Erkrankungen – Menschen mit Demenz besser verstehen lernen“.
Für die Besucher wurden mittels künstlerischer Formate Einblicke in veränderte Wahrnehmungssituationen geschaffen. Es bestand die Möglichkeit, aus fünf unterschiedlichen Perspektiven – die der Betroffenen, der Angehörigen, der Neurologie, der Pflege und der Kunst – sich der Frage zu nähern: „(Wie) Können wir Emotionen, Motive und Persönlichkeitsmerkmale von demenziell erkrankten Menschen besser verstehen und nachempfinden?“ Dazu wurden Bilder aus einer anderen Welt gezeigt, die zum Nachdenken und Diskutieren anregten:
Wie sieht die Welt aus, wenn die Selbst-Erkenntnis im Gehirn ausfällt?
Wodurch können sich Persönlichkeitsmerkmale ändern? Und wie fühlt man sich danach?
Wie können Emotionen ausgelöst werden? Und warum scheinen sie oftmals unpassend?
Warum wird der Alltag mit Verlust von Zeit-Raum-Empfinden so schwierig?
Wie empfindet man das Leben im „exakten Moment“?

Bis Ende Juni ist die Dokumentation dieses einzigartigen Rahmenprogrammes von RIEEZ in der Wolford-Halle, Franz-Seiner-Gasse 2, 8330 Feldbach,
zu sehen.

Öffnungszeiten April/Mai/Juni 2019:
Ausstellung RIEEZ: Do-Fr 9-21.30 Uhr, Sa 9-18 Uhr
Führungen: Do-Sa 17 Uhr
„Bar der Experten des Alltags“: Do-Fr 15-21.30 Uhr

Bericht Mai 2019:

Die regionale Initiative zur Entwicklung empathischen Zubehörs (kurz RIEEZ) hat in der Wolford-Halle (Franz-Seiner-Gasse 2) ihre Arbeit aufgenommen. Gemeinsam mit Experten des Alltags aus der Region zeigt das Künstlerduo hoelb/hoeb Ausdrucks- und Darstellungsformen von Empathie, Solidarität und Trauer. Mit einem Opening mit Publikum wurden am 27. April die ersten Ergebnisse präsentiert.

Der international renommierten Autor, Philosoph und Kulturtheoretiker Thomas Macho eröffnete das Opening mit einem Vortrag: „… über den Moment des Haltens und Gehalten-Werdens“: „… ein Gedanke, der sich auf diese Apparaturen bezieht, die Sie hier im Projektbüro und Ausstellungsraum RIEEZ vorfinden … Trauer ist nicht nur Arbeit, sondern ist auch Haltung. … Haltung ist auch etwas, was mit unserem Körper, mit unserer Form, uns zu bewegen, zu stehen, im Zusammenhang steht. … In dem Fall mit einer Haltung, die eigentlich ganz ungewöhnlich und unmöglich ist. Nämlich die, einen erwachsenen Menschen so zu halten, wie man sonst allenfalls ein Kind halten könnte. … Ich glaube, dass die Erfindung der Pietà Ende des 14. Jahrhunderts mit der größten Katastrophe, die Europa wahrscheinlich überhaupt jemals erlebt hat, nämlich mit dem Schwarzen Tod, der in Jahrzehnten in Wellen immer wieder durch den Kontinent gezogen ist, einhergeht. Stellen Sie sich einmal vor, ein Fünftel der Gesamtbevölkerung, was das bedeutet. … Eltern sind vor den Kindern weggelaufen, um sich nicht anzustecken, Kinder vor den Eltern. Plötzlich war jeder Zusammenhalt verloren. Und dann entsteht so eine neue Figur. Bis dahin gibt es tausend Marienstatuen, immer das kleine Kind am Arm und immer triumphierend, nährend, was auch immer, manchmal auch demütig. Es ist immer die Mutter mit dem lebenden Kind. Und plötzlich entsteht ein ganz neuer Typus, nämlich die Mater Dolorosa, die leidende Mutter, die den toten aber erwachsenen Sohn im Arm hält. Und ich habe wirklich erst durch die Apparatur von hoelb/hoeb verstanden, was das für ein Bruch ist, was das auch für ein ikonographischer Bruch ist. Es ist nicht so leicht, einen Erwachsenen im Arm zu halten, so wie man ein Kind im Arm hält und trägt. Man muss das ausprobieren, um überhaupt ein Gefühl für diese Haltung kriegen zu können: Wie kann das überhaupt funktionieren, wie kann das in der Realität aussehen. Geht das mit unseren Körpern, mit unserer Kinetik, mit unserer Art, uns zu bewegen, zu stehen, zu tragen, etwas zu ertragen überhaupt zusammen? … Und das ist auch wiederum eine Leistung von euch, in solchen Apparaten plötzlich solche Erfahrungen zugänglich zu machen …“

Bericht April 2019:

RIEEZ gestartet

Das umfassende Vermittlungs- und Kunstprojekt RIEEZ hat seine Arbeit aufgenommen. Der Titel RIEEZ steht für Regionale Initiative zur Entwicklung empathischen Zubehörs. Das Künstlerduo hoelb/hoeb – Barbara Hölbling und Mario Höber möchte damit einen spartenübergreifenden Prozess umsetzen, der weit über künstlerische Aspekte hinausgeht. Mit einer groß angelegten Vermittlungsoffensive sollen lokale Einrichtungen, aber auch konkret Betroffene oder Interessierte einbezogen werden, jedermann ist zur Information und Beteiligung herzlich eingeladen. Im Zentrum des Geschehens steht das Projekt-Büro in der Franz-Seiner-Gasse 2 (ehemalige Wolford-Halle).
Das Projekt wird von der Stadtgemeinde Feldbach getragen und zu einem großen Teil aus EU-Leader-Mitteln finanziert. Es läuft ab sofort bis Mitte Juni, zum Abschluss wird in der Kunsthalle Feldbach am 13. Juni zu Beginn der Feldbacher Sommerspiele eine Ausstellung eröffnet.

(v.l.n.r.): Bgm. Ing. Josef Ober, Vzbgm. Rosemarie Puchleitner, Mario Höber, Kulturreferent Dr. Michael Mehsner,
Barbara Hölbling, Dr. Trautgundis Kaiba, Stadtpfarrer
Mag. Friedrich Weingartmann und Mag. Michael Fend

RIEEZ

In der ehemaligen Wolford-Halle in der Franz-Seiner-Gasse 2 in Feldbach hat am 14. März die Regionale Initiative zur Entwicklung empathischen Zubehörs (kurz RIEEZ) ihre Arbeit aufgenommen. Die Räumlichkeiten sind jede Woche von Donnerstag bis Samstag geöffnet. Alle Bewohner der Region sind eingeladen, das vielschichtige Programm der Initiative, das über Kunst, Filmvorführungen, Workshops und Informationsabende bis hin zu einer „Bar der Experten des Alltags“ reicht, zu besuchen.

RIEEZ ist ein Kunstprojekt und eine großangelegte Vermittlungsoffensive des Künstlerduos hoelb/hoeb (Barbara Hölbling/Mario Höber) und beschäftigt sich mit den Fragen eines gelebten Miteinanders. Im Mittelpunkt stehen Fragen der Solidarität, Empathie sowie Verlusterfahrungen, es geht um die Bewältigung von Trauer, Trost und Verlust. Körperliche oder geistige Behinderung, der Verlust eines geliebten Menschen oder eine beschwerliche Krankheit werden mit wenigen Objekten so dargestellt, dass sie den Ausstellungsbesucher dazu anregen, selbst initiativ zu werden und sich in die Ausstellung als Diskussionsteilnehmer und Aktivist einzubinden. Auf der vom Künstlerduo entwickelten Empathie-Apparatur werden mechanisch zwei Personen zusammengeführt, es können Ausstellungsbesucher sein, die in der Position einer Pieta, der Maria mit dem toten Jesus am Schoß, enden. Dargestellt ist auch die Wachkomasituation von Menschen, die zur Verbesserung ihrer Situation auf Zuneigung und Gefühle angewiesen sind.

Die „Bar der Experten des Alltags“ ist donnerstags und freitags von 15 bis 21.30 Uhr geöffnet und bietet den Besuchern die Möglichkeit, in einer zwanglosen Atmosphäre Experten des Alltags aus der Region kennenzulernen.
Der Barbetrieb erfolgt über Personen, die sich aus privaten oder beruflichen Gründen mit dem Thema Verlust und Trauer beschäftigen.

Empathisches Zubehör der Woche: Wöchentlich wird ein empathisches Zubehör der Woche aus der Region präsentiert und vorgestellt.

Kunstausstellung:
Zu sehen sind themenbezogene Kunstwerke: Bilder, Skulpturen, Fotografien und Filme; Arbeiten von Cornelius Berkowitz, Joseph Beuys, Robert Bösch, Christian Eisenberg, Julius Deutschbauer, Tone Fink, Kerstin von Gabain, Johann Hauser, Ilya Kabakov, Simon Kentgens, Brigitte Kowanz, Peter Liechti, Bele Marx, Rosemarie Trockel, Franz West, Adam Wiener, Maria Ziegelböck und Zweintopf.

 

Bericht März 2019:

hoelb/hoeb (AT) ist ein österreichisches Künstlerduo, das im Jahr 2000 die gemeinsame Arbeit aufnahm. Barbara Hölbling und Mario Höber haben Bühnengestaltung an der Kunstuniversität Graz studiert und davon ausgehend die Basis ihrer künstlerischen Praxis entwickelt: Sie schaffen Räume für die Rekonstruktion von Alltagsorten und -erfahrungen und deren soziale Implikationen. Dabei liegt der thematische Fokus von hoelb/hoeb auf marginalisierten gesellschaftlichen Diskursen: dem Leben mit Behinderung, der Frage nach Inklusion oder dem Umgang mit Verlust und Trauer.

Projekt RIEEZ

In ihrer aktuellen Arbeit RIEEZ (Regionale Initiative zur Entwicklung empathischen Zubehörs), die im Februar gestartet wurde und in der Kunsthalle Feldbach im Rahmen der Feldbacher Sommerspiele und des „Hochsommers 2019“ gezeigt wird, beschäftigen sich hoelb/hoeb mit den Fragen eines gemeinsamen Miteinanders und der Teilhabe. Welche sozialen Praxen verbinden die Menschen – und welche trennen und isolieren sie? Wie kann man Verlusterfahrungen, Empathie und Solidarität einen angemessenen Ausdruck verleihen? Und welche Räume müssen angesichts des ständigen Wandels der Gesellschaft dafür geschaffen werden? Mithilfe von Skulpturen, Videos/Kunstfilmen und einer Empathie-Apparatur, die zwei Körper schrittweise in eine Pietà-Haltung bringt, werden diese Fragen mit dem Publikum neu verhandelt.
Wie beim Projekt hosted (Regionale 2008) arbeiten hoelb/hoeb mit dem Konzept der Bürgerbeteiligung. Regionale Institutionen, Vereine sowie Experten des Alltags werden aktiv in den künstlerischen Arbeitsprozess einbezogen. Diskussionsabende, Workshops,
ein temporäres Projektbüro bis hin zur finalen Ausstellung in der Kunsthalle Feldbach sind Teil des groß angelegten künstlerischen For-
schungsprozesses RIEEZ.

Bisherige Projektrealsierungen:

  • „IG-Verlust“ (brut-Wien/Galerie Raumstation Wien/2018),
    derstandard.at/2000074812652/Eine-Gesellschaft-der-Verlassenen-im-Wiener-Brut-Theater
  • „empathy-devices“ (hau-Berlin/2017), vimeo.com/298125971
  • „Lost_INN.staging_grief“ (brut-Wien/2017), vimeo.com/223568469, www.3sat.de/mediathek/?mode=play&obj=64244
  • „training – Spielstätten für einen inklusiven Humanismus“ (GFZK-Leipzig, Künstlerhaus-Wien, Festival Wunder der Prärie – Mannheim/2016/2015), vimeo.com/174806381, www.artmagazine.cc/content86912.html
  • „close link“ (steirischer herbst/2013), vimeo.com/75785913
  • „up/downgrade 2nd“ (brut-Wien/2013)
  • „unter gang art/updating the downfall“ (Tanzquartier Wien/2012)
  • „up/downgrade prime“ (brut-Wien/2012)
  • „Let’s Believe in Hive“ (Kammerspiele München/2011)
  • „Transmitter“ (Space04-Kunsthaus Graz/2010)
  • „Oral History“ (Schloss Hainfeld/2009)
  • „hosted“ (Festival Regionale/2008)
Diesen Beitrag teilen: